Forschung und Wissenschaft sind gute Cyberziele
- 29. Juni
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Laut dem MIcrosoft Digital Defense Report 2025 sind Forschung und Wissenschaft beliebte Ziele. Mehr also 100 Billionen Sicherheitssignale verarbeitet Microsoft eigenen Angaben nach zufolge täglich und fand heraus, dass Deutschland mit 3,3 % aller Angriffe weltweit an 4. Stelle steht und die am stärksten betroffenen Branchen innerhalb des Untersuchungszeitraumes von Januar bis Juni 2025 Behörden und Dienstleistungen (17 Prozent) sind, gefolgt von Informationstechnologie (17 Prozent) sowie Forschung und Wissenschaft (11 Prozent).

Forschungseinrichtungen zählen zu den besonders exponierten Zielen von Ransomware-Angriffen, da sie eine einzigartige Kombination aus hohem Datenwert, komplexen IT-Landschaften und begrenzten Sicherheitsressourcen aufweisen. Aus Sicht der Cybersecurity lassen sich hierfür mehrere strukturelle Ursachen identifizieren:
Hoher Wert wissenschaftlicher Daten und geistigen Eigentums
Forschungseinrichtungen generieren und verwalten umfangreiche Mengen an sensiblen Forschungsdaten, experimentellen Ergebnissen, Prototypen sowie geistigem Eigentum. Der Verlust oder die Verschlüsselung dieser Informationen kann den wissenschaftlichen Fortschritt erheblich verzögern und langfristige Forschungsprojekte gefährden. Die hohe Kritikalität dieser Daten erhöht den Druck auf betroffene Institutionen, den Geschäftsbetrieb beziehungsweise den Forschungsbetrieb möglichst schnell wiederherzustellen.
Heterogene und hochgradig vernetzte IT-Infrastrukturen
Universitäten und Forschungsinstitute verfügen typischerweise über dezentral organisierte IT-Umgebungen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Betriebssysteme, Forschungsplattformen, Laborgeräten und spezialisierten Anwendungen. Diese Heterogenität erschwert eine einheitliche Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien, Patch-Management und kontinuierlicher Überwachung. Gleichzeitig entstehen zahlreiche potenzielle Angriffsflächen, die von Cyberkriminellen gezielt ausgenutzt werden.
Offene Forschungs- und Kollaborationskultur
Wissenschaftliche Einrichtungen sind auf internationalen Wissensaustausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit angewiesen. Der regelmäßige Datenaustausch mit externen Forschungspartnern, Gastwissenschaftlern und Studierenden erfordert vergleichsweise offene Netzwerkstrukturen. Diese Offenheit steht häufig im Spannungsverhältnis zu restriktiven Sicherheitsmaßnahmen und erhöht das Risiko einer Kompromittierung durch Phishing, kompromittierte Zugangsdaten oder unsichere Drittanbieterzugänge.
Begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen im Bereich IT-Sicherheit
Im Vergleich zu Industrieunternehmen verfügen viele Forschungseinrichtungen über geringere Budgets für Informationssicherheit. Dies betrifft sowohl Investitionen in moderne Sicherheitsarchitekturen als auch die Verfügbarkeit spezialisierter Fachkräfte für Cybersecurity. Infolgedessen können Schwachstellen länger bestehen bleiben und Sicherheitsmaßnahmen nur eingeschränkt umgesetzt werden.
Große Anzahl unterschiedlicher Nutzergruppen
Forschungseinrichtungen beherbergen Studierende, Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter, externe Projektpartner und Gastforscher mit unterschiedlichen Berechtigungen und Sicherheitskenntnissen. Die hohe Fluktuation sowie die Vielzahl temporärer Benutzerkonten erschweren ein konsequentes Identitäts- und Zugriffsmanagement und erhöhen die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Social-Engineering-Angriffe.
Hohe Verfügbarkeitserfordernisse wissenschaftlicher Prozesse
Viele Forschungsprojekte basieren auf zeitkritischen Experimenten oder kontinuierlich betriebenen Messsystemen. Ein Ausfall der IT-Infrastruktur kann den Verlust jahrelanger Forschungsarbeit oder die Unterbrechung kostenintensiver Versuchsreihen nach sich ziehen. Cyberkriminelle kalkulieren diese Abhängigkeit bewusst ein, da der operative Druck die Bereitschaft zur schnellen Wiederherstellung der Systeme erhöht.
Veraltete Hard- und Software in Laborumgebungen
Wissenschaftliche Mess- und Analysegeräte basieren häufig auf spezialisierten Betriebssystemen oder proprietärer Software, die aus Kompatibilitätsgründen über viele Jahre unverändert betrieben werden. Sicherheitsupdates können oftmals nicht zeitnah eingespielt werden, ohne die Funktionalität der Forschungsinfrastruktur zu beeinträchtigen. Diese sogenannten "Legacy-Systeme" stellen daher ein attraktives Einfallstor für Ransomware dar.
Steigende Professionalisierung der Angreifer
Moderne Ransomware-Gruppierungen verfolgen zunehmend das Modell der "Double Extortion". Dabei werden Daten nicht nur verschlüsselt, sondern vorab exfiltriert und mit deren Veröffentlichung gedroht. Forschungseinrichtungen sind hiervon besonders betroffen, da unveröffentlichte Forschungsergebnisse, personenbezogene Daten aus Studien oder vertrauliche Kooperationsprojekte einen erheblichen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Wert besitzen.
Was ist daher nötig?
Die besondere Gefährdung von Forschungseinrichtungen resultiert aus dem Zusammenspiel wertvoller Forschungsdaten, einer offenen wissenschaftlichen Arbeitsweise, komplexer und teilweise veralteter IT-Infrastrukturen sowie begrenzter Ressourcen für Informationssicherheit. Diese Faktoren schaffen ein Umfeld, das von Ransomware-Akteuren gezielt ausgenutzt wird.
Zur wirksamen Risikominimierung sind daher ein ganzheitliches Cybersecurity-Konzept, ein konsequentes Schwachstellenmanagement, Zero-Trust-Architekturen, regelmäßige Offline-Backups, Netzwerksegmentierung sowie kontinuierliche Sensibilisierungsmaßnahmen für alle Nutzergruppen von zentraler Bedeutung.
Nebeneffekt
Wenn z. B. eine Forschungseinrichtung einen Campus mit einem zentralen Heizkraftwerk betreibt, muss sie nach aktuellem Stand bei der technischen Anlagenprüfung ein Cybersicherheitskonzept gem. TRBS 1115-1 für die Anlagen vorweisen. Denn ein Eindringling kann ggf. die Steuerung beeinflussen und es kann auch zu Schäden bei Menschen kommen. Ein Konzept zu haben, lohnt sich also!
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