Frau CISO, quo vadis 2026?
- Klaus Kilvinger
- 25. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Die Rolle des Chief Information Security Officer (CISO) war lange Zeit stark technisch geprägt und entsprechend überwiegend männlich besetzt, wie viele Rollen in der IT. Doch die Anforderungen an den CISO verändern sich grundlegend.
Der CISO 2026 ist Gestalter – nicht nur Techniker
Die regulatorischen Anforderungen aus NIS2, Maschinenverordnung und CRA oder auch aus der KI-Verordnung verändern die Rolle des CISO grundlegend. Technische Exzellenz bleibt wichtig, reicht aber nicht mehr aus. Der CISO der Zukunft:
denkt in Risiken statt in Einzelmaßnahmen
steuert Cybersicherheit strategisch
trifft bewusste, begründete Entscheidungen über Prioritäten
nutzt ein ISMS als Ordnungs- und Nachweisinstrument

Ein risikobasiertes ISMS ist damit nicht nur ein Compliance-Werkzeug, sondern der Schlüssel, um die steigenden Anforderungen realistisch, effizient und nachhaltig zu bewältigen.
Spätestens 2026 wird deutlich: Informationssicherheit ist nicht mehr nur ein IT-Thema, sondern eine strategische Führungsaufgabe, die Governance, Risikomanagement, Kommunikation und Regulierung vereint. Genau dieser Wandel eröffnet neue Chancen – insbesondere für Frauen, die bislang in klassischen technischen Karrierepfaden oft unterrepräsentiert waren.
Der Rollenwandel des CISO begünstigt neue Profile, moderne CISOs agieren heute:
weniger als reine Technikexperten,
stärker als Risikomanager, Kommunikatoren und strategische Berater des Managements.
Mit NIS2, CRA, Maschinenverordnung, KI-Verordnung und weiteren Regulierungen rücken Fähigkeiten in den Vordergrund wie:
strukturiertes Denken,
Priorisierung unter Unsicherheit,
Kommunikation mit Vorstand und Fachbereichen,
Governance- und Compliance-Verständnis,
interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Diese Kompetenzen sind nicht geschlechtsspezifisch, wurden jedoch traditionell seltener mit IT-Sicherheitskarrieren assoziiert.
Warum Frauen in der CISO-Rolle besonders gut wirken können
Zahlreiche Studien zeigen: Diverse Führungsteams treffen nachhaltigere und ausgewogenere Entscheidungen – gerade in komplexen Risikoumfeldern wie der Cybersicherheit.
Frauen bringen in der CISO-Rolle häufig Stärken ein wie:
ganzheitliche Perspektiven statt rein technischer Optimierung,
ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit gegenüber Management und Fachbereichen,
stärkere Prozess- und Governance-Orientierung,
hohes Bewusstsein für Organisation, Kultur und Verantwortung.
Gerade im Kontext von NIS2 und CRA, wo Nachweisbarkeit, Steuerung und Entscheidungsfindung entscheidend sind, sind diese Fähigkeiten zentral.
Einstieg und Weiterentwicklung: Nicht der klassische Weg zählt
Ein häufiger Irrtum: Nur wer jahrelang tief in Technik und IT-Administration gearbeitet hat, kann CISO werden. Faktisch sind mehr Männer in IT-Rollen, daher kommen auch mehr Männer aus der technischen Rolle in die CISO-Rolle.
Aber die Marktveränderungen zeigen in der Rolle in Zukunft wohl ein anderes Bild. Und erfolgreiche CISOs kommen zunehmend aus Bereichen wie:
Informationssicherheitsmanagement
Risikomanagement
Datenschutz
Compliance/Legal
IT-Governance
Lieferantensteuerung
Audit oder Qualitätsmanagement
Für Frauen eröffnet das alternative, realistische Karrierepfade – auch ohne klassischen „Admin-Background“.
ISMS-Kompetenz als Schlüsselqualifikation
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Fähigkeit, Informationssicherheit systematisch zu steuern und die Kenntnisse zu einem ISMS nach ISO/IEC 27001, Risikomanagement, Governance-Strukturen und regulatorischen Anforderungen sind oft wichtiger als tiefes Spezialwissen in einzelnen Technologien. Und genau hier können sich Frauen gezielt positionieren und profilieren.
Selbstbewusstsein und Sichtbarkeit: Ein entscheidender Faktor
Ein strukturelles Problem bleibt: Frauen neigen häufiger dazu, ihre Qualifikation kritischer zu hinterfragen. In der CISO-Rolle gilt jedoch:
Aktuelles und umfassendes Wissen zu allen relevanten Themen und Details in der Tiefe bei einer Person zu erwarten (wie in manchen CISO-Stellenanzeigen zu sehen) haben, ist nicht realistisch. Gutes Teamwork von Experten ist erforderlich.
Entscheidungsfähigkeit ist wichtiger als ein Detailwissen, das von Experten und Expertinnen zugeliefert werden kann.
Führung bedeutet, die richtigen Fragen zu stellen, nicht alles selbst zu wissen.
Organisationen profitieren, wenn Frauen:
Verantwortung bewusst annehmen,
ihre Kompetenz sichtbar machen,
sich aktiv in strategische Diskussionen einbringen.
Was Unternehmen tun können
Der Wandel gelingt nicht allein durch individuelle Leistung. Unternehmen sollten:
CISO-Profile breiter definieren
Governance-, Risiko- und Compliance-Kompetenzen stärker gewichten
Frauen gezielt fördern und sichtbar machen
Mentoring- und Netzwerkstrukturen unterstützen
Rollenbilder modernisieren
Dir Rolle des CISO ist im Jahr 2026 ist keine „Technikrolle für Spezialisten“, sondern eine Schlüsselposition für Führungspersönlichkeiten.
Der CISO 2026 braucht Vielfalt
Die zunehmende Regulierung, steigende Komplexität und strategische Bedeutung der Cybersicherheit verändern das Berufsbild des CISO grundlegend. Diese Entwicklung bietet eine echte Chance, mehr Frauen in diese Rolle zu bringen – und dort erfolgreich zu machen.
Nicht, weil Frauen „anders“ sind. Sondern weil moderne Informationssicherheit Vielfalt, Perspektiven und Führungskompetenz braucht. Die Rolle des CISO 2026 ist Gestalter, Übersetzer und Entscheider – unabhängig vom Geschlecht.


